Die Schröpfkopftherapie: Eine Reiz- und Reaktionstherapie? Teil I

Zu oft beschäftigen sich die meisten Menschen im Zusammenhang mit der blutigen Schröpfkopftherapie mit dem geschröpften Blut, als mit ihrer tatsächlichen Wirkweise. Denn bereits der Prophet صلى الله عليه وسلم legte deutlich dar, dass die Heilung durch das Anritzen der geschröpften Hautzone erwirkt wird, weniger durch das Ausleiten des Blutes.

Der Prophet صلى الله عليه وسلم sagte in einem von Ibn ‚Abbâs bei al-Bucharî verzeichneten Hadîth:

الشفاء في ثلاثة: شربة عسل، وشرطة محجم، وكيَّة نار، وأنهى أمتي عن الكي

Sinngemäß bedeuten seine Worte:

Die Heilung liegt in drei Heilmethoden zugrunde: Im Trinken von Honig, dem Anritzen der geschröpften Hautzone und der Moxibustion [d.h. „Nadeln und Brennen“], während ich meiner Nation die Moxibustion verwehre.

Man sollte nicht meinen, dass der kurative Teil der Heilkunde ausschließlich aus den im Hadîth genannten Heilmethoden besteht. Vielmehr hat Allah تعالى  niemals eine Krankheit erschaffen, ohne hierfür eine Heilung erschaffen zu haben. Gemeint ist mit diesem Hadîth vielmehr, dass diese drei Heilmethoden die Grundsätze der kurativen Heilkunde und ihre Fundamente darstellen.

Al-‚Ainî sagte in ‚Umdat al-Qârî Sharh Sahîh al-Buchârî:

Es wurde nicht vom Propheten صلى الله عليه وسلم verzeichnet, dass er [die praktische, kurative Heilkunde] auf diese drei Heilmethoden begrenzt hat, denn vielmehr hat er mit diesen drei [Heilmethoden] auf die Fundamente/Grundsätze der [praktischen] Heilkunde hingewiesen hat.

Al-Mannâwî sagte ebenfalls in Faid al-Qadîr:

Al-Qurtubî sagte: Er erwähnte insbesondere die genannten [Heilmethoden], da es sich hierbei um die namhaftesten Heilmittel gehandelt hat, die ihnen naturgemäß am ehesten nützlich waren. Es muss allerdings nicht auf andere [Volksgruppen] zutreffen, die sich von ihnen hinsichtlich des Ursprungs, der Gewohnheit und des Klimas unterscheiden.

Wir möchten uns in diesem Artikel mit dem Abschnitt „shartati mhjam“ auseinandersetzen, da dieser die Wirk- und Funktionsweise der Schröpfkopftherapie deutlich aufzeigt. Ich habe mit Absicht an der Konjugation des zweiten Substantivs gespart, um eine Interpretation offenzulegen, mit der wir zu verstehen beginnen, wie die Schröpfkopftherapie eigentlich wirkt.

Die Worte des Propheten صلى الله عليه وسلم, die grammatikalisch als Genetivverbindung gelten, lassen sich verschieden-artig interpretieren.

Spricht man m_hjam mit folgender Konjugation mihjam aus, dann bedeutet die Genetivverbindung, dass das Anritzen durch ein Instrument der Schröpfkopftherapie erfolgt. In diesem Fall ist es das Skalpell. Folglich würde die Genetivverbindung bedeuten:

Durch das Anritzen [der Oberhaut] mithilfe eines Skalpells.

Diese Interpretation hat zur Folge, dass die vollständige Heilung durch die blutige Schröpfkopftherapie zustande kommt, auch wenn durch das bloße Ansetzen der Schröpfköpfe auf der Oberhaut Mechanismen in Gang gesetzt werden, durch die der Heilprozess in Gang gesetzt wird.

Spricht man m_hjam allerdings mit der Konjugation mahjam aus, dann bedeutet dies, dass die Heilung zustande kommt, indem die bereits geschröpfte Hautzone [oberflächlich] angeritzt wird:

Durch das [oberflächlich] Anritzen der geschröpften Hautzone.

In beiden Fällen erfährt man nicht, dass die Heilung von der Menge an geschröpftem Blut abhängig ist, da die Ausleitung des Blutes bereits ein Teil der Reaktion des Körpers ist und nicht erklärt, wie und weshalb der Körper auf die Schröpfkopftherapie reagiert.

Und genau hier gelangen wir zu unserem gesuchten Begriff: Reaktion. Die Worte des Propheten صلى الله عليه وسلم stehen im Einklang der Erkenntnisse der heutigen Wissenschaft, dass die Schröpfkopftherapie eine Reiz- und Reaktionstherapie ist.

Was man alerdings darunter verstehen darf, werden wir im zweiten Teil unseres Themas: „Die Schröpfkopftherapie: Eine Reiz- und Reaktionstherapie?“ behandeln.